In der Lagerhalle wird gearbeitet, konzentriert und ohne Hektik. Uwe Gernhold geht vorneweg durchs Gebäude. Zwischendurch ein kurzer Gruß, ein Satz im Vorbeigehen. Aktuell arbeiten zehn Mitarbeitende bei Albright. Die Atmosphäre wirkt familiär. Das langjährige Mitgliedsunternehmen der Bremer Umweltpartnerschaft produziert Notausschalter, vor allem für Gabelstapler. Bauteile, die man kaum wahrnimmt, die aber im entscheidenden Moment funktionieren müssen.
Vor den Fenstern im ersten Stock summt es leise. "Da muss ich auch gleich noch hin", sagt Uwe Gernhold und wirft einen Blick auf die Bienenstöcke. Nachhaltigkeit wirkt hier nicht wie ein Zusatzthema, sondern wie etwas, das immer mitgedacht wird.
Gernhold erzählt von seinen Bienen, vom überraschenden Ergebnis des Biodiversitätsindex und von den geplanten Gründächern. Fast beiläufig lässt er einen Satz fallen: "Ich habe das Ziel, dass wir in zwei Jahren CO2-neutral sind." Danach spricht er einfach weiter. Für ihn keine große Sache, sondern eher eine Selbstverständlichkeit. Es passt zu der Art, wie er über sein Unternehmen spricht: unaufgeregt, direkt und ohne großes Drumherum. Als wäre das der nächste logische Schritt. Und tatsächlich ist bei Albright in den letzten Jahren viel passiert.
Schon beim Bau des Gebäudes spielte Nachhaltigkeit eine Rolle. Der Firmensitz entstand in Holzständerbauweise, der Energieverbrauch ist vergleichsweise niedrig. "Mir war damals nicht klar, wie viel Müll im Baubereich entsteht", erzählt er weiter. Das Gebäude lässt sich heute zu großen Teilen recyceln. Dass ihn nachhaltiges Bauen persönlich interessiert, merkt man schnell.
Auf dem Dach steht eine Solaranlage, die Beleuchtung wurde auf LED umgestellt. "Bei den Strompreisen in den letzten Jahren hat sich die Anlage schnell amortisiert", sagt Gernhold. Auch im Arbeitsalltag hat sich vieles verändert. Nach längeren Diskussionen wurde ein Scanner eingeführt. Früher verbrauchte das Unternehmen jedes Jahr zwei Paletten Papier. Heute werden fast nur noch Lieferscheine gedruckt. Ähnlich lief es bei der Verpackung. Kartons wurden weitgehend durch wiederverwendbare Systeme wie Europaletten und Holzrahmen ersetzt. "Es ging mir nicht darum, Geld zu sparen, sondern diesen ganzen Verpackungsmüll loszuwerden", sagt Gernhold. Dass sich die Umstellung wirtschaftlich lohnt, zeigte sich erst später.
Parallel dazu veränderte sich auch die Mobilität. Geschäftsfahrten laufen elektrisch, vor dem Gebäude steht eine eigene Ladesäule. Mitarbeitende können Jobräder nutzen, außerdem wird das Deutschlandticket unterstützt. Viele Maßnahmen für sich genommen wirken unspektakulär. Zusammen verändern sie den Betrieb aber spürbar.
Ein großes Thema bleibt die Heizung. Bislang wird mit Gas geheizt, künftig soll eine Wärmepumpe übernehmen. Damit würde Albright dem Ziel der CO2-Neutralität deutlich näherkommen. Gleichzeitig beschäftigt sich Gernhold schon mit dem nächsten Thema: bidirektionales Laden. Autos könnten dann nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch als Speicher dienen. Sommerstrom ließe sich so später nutzen. Man merkt schnell, dass ihn technische Fragen antreiben.
Impulse kommen dabei auch von außen. Bei Veranstaltungen der Partnerschaft Umwelt Unternehmen bekommt er Einblicke in Unternehmen und Institutionen, die so nicht jedem gewährt werden. Der Besuch bei Mercedes-Benz Bremen gab schließlich den Anstoß, beim Biodiversitätsindex mitzumachen. Dort hatte Gernhold unter anderem ein Sandarium für Wildbienen gesehen – und gleichzeitig gemerkt, dass das eigene Firmengelände bei diesem Thema noch Potenzial hat. Die Analyse bestätigte das später. Viel Rasen, einige Bäume, etwas Schilf – ordentlich, aber ökologisch wenig wertvoll. "Ich habe immer gedacht, das ist doch schön hier", sagt Gernhold. "Aber eigentlich ist das für die Biodiversität völliger Nonsens."
Draußen verändert sich das Gelände deshalb Schritt für Schritt. Eine Benjeshecke steht bereits, Container werden begrünt, erste Flächen umgestaltet. Geplant sind außerdem Wildblumenwiesen, Nistkästen und das Sandarium. Selbst ein Teil des Parkplatzes soll entsiegelt werden. Dafür nimmt das Unternehmen bewusst Geld in die Hand. "Man muss ja nicht alles auf einmal machen", sagt Gernhold. "Man kann auch einfach anfangen."
Vieles entsteht hier nicht nach einem großen Masterplan, sondern aus dem Alltag heraus – aus Gesprächen, Beobachtungen und neuen Ideen. Auch mit den Mitarbeitenden spricht Gernhold regelmäßig darüber, oft nebenbei beim gemeinsamen Brunch oder während der Arbeit. "Man muss sich ja erstmal fragen: Will ich das überhaupt?", sagt er. "Und wenn man das für sich beantwortet hat, dann ergibt sich vieles von allein."
Vielleicht beschreibt das den Ansatz bei Albright am besten. Vieles entsteht hier Schritt für Schritt – pragmatisch und ohne großes Aufheben. Das Gebäude selbst zeigt schon heute, wie Nachhaltigkeit im Unternehmen mitgedacht wird. Gleichzeitig verändert sich auch das Außengelände weiter: mit mehr Raum für Biodiversität, weniger versiegelten Flächen und neuen Ideen, die nach und nach umgesetzt werden. Nicht alles passiert auf einmal. Aber vieles ist bereits in Bewegung.