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Umweltmanagementsysteme

Warum sie immer wichtiger werden und was Sie unbedingt über die Revision 2015 wissen sollten

Am 8. August 2016 war er in diesem Jahr bereits erreicht: der weltweite Earth Overshoot Day. So bezeichnet man den Tag, an dem die Menschen ihr Jahresbudget an natürlichen Ressourcen verbraucht und die Erde selbst ihre Aufnahmekapazitäten für Treibhausgase überschritten hat (Welterschöpfungstag). Das bedeutet, dass wir derzeit so leben, als stünden uns 1,6 Erden und nicht nur eine zur Verfügung. So beobachtet und errechnet die internationale Nachhaltigkeitsorganisation Global Footprint Network die Entwicklung jährlich aufs Neue. Neben der Überprüfung der eigenen Lebensart gilt es für Unternehmerinnen und Unternehmer einmal mehr, die Implementierung eines Umweltmanagementsystems ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Denn Umweltmanagementsysteme (UMS) bieten Unternehmen zunehmend Vorteile, die sich nicht allein darauf beschränken, umweltverträglich zu Wirtschaften. Vielmehr ermöglichen sie einen nachhaltigen Managementansatz, wenn es darum geht, ökologische wie auch ökonomische Leistungen kontinuierlich zu steigern und dabei die eigene Belegschaft „mitzunehmen“. Die bekanntesten und zur Zertifizierung geeigneten Umweltmanagementsysteme – die internationalen DIN EN ISO Normen 14001 und 9001 – wurden nach dreijährigem Revisionsprozess in 2015 erneuert und verlangen von bereits zertifizierten Unternehmen eine Umsetzung der Neuerungen bis 2018.

Doch der Reihe nach: Was macht Umweltmanagement so bedeutsam? Es ist ein Teilbereich des Unternehmensmanagements und Umweltaspekte lassen sich mit dessen Hilfe vorausschauend und systematisch in unternehmerische Entscheidungen einbeziehen. Es berücksichtigt die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit aller betrieblichen Prozesse, Produkte und Dienstleistungen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Ende kann ein Umweltmanagementsystem zur Reduzierung von Kosten beitragen, denn es erfasst zum Beispiel Energieverbrauch, Emissionen, Abfall oder Abwasser. Zudem spielen indirekte Faktoren, wie die Lebensdauer von Produkten, Verwaltungs- und Planungsentscheidungen oder das Verhalten von Auftragnehmern eine nicht unwesentliche Rolle in der Gesamtschau der Umweltwirkungen eines Unternehmens. Für kleine und mittelständische Firmen bietet sich ein auf deren Bedarfe zugeschnittenes System wie beispielsweise Ecostep an. Alle UMS ermöglichen den Unternehmen, ihr Umweltmanagement nach einheitlichen und überprüfbaren Vorgaben aufzubauen und offiziell zertifizieren bzw. validieren zu lassen.

Die Revision 2015 von ISO 14001 und ISO 9001 verlangt nun eine grundlegende Überarbeitung der UMS und Umsetzung nach den neuen Vorgaben bis September 2018. So fordert die ISO Norm 14001 beispielsweise eine frühzeitige Ausweitung der Betrachtung des unternehmerischen Umfelds mitsamt den Umweltauswirkungen ihrer Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. In der ISO Norm 9001 ist neben einer größeren Stakeholder-Orientierung die Stärkung des risikobasierten Ansatzes die bedeutendste Änderung. So fordert die Norm, dass die Organisation auf Basis der Untersuchung ihres Kontexts, also ihres internen und externen Umfelds, Risiken und Chancen bestimmt und entsprechende Maßnahmen systematisch plant.

Der unternehmerische Nutzen der revidierten Normen besteht in einer einheitlichen Struktur, die Anwendern das Verständnis einer Norm erleichtert und mehr Effizienz in die Arbeit mit integrierten Managementsystemen bringt. ISO 14001:2015 basiert weiterhin auf dem Grundsatz der fortlaufenden Verbesserung „Plan – Do – Check – Act“, dem bekannten PDCA-Zyklus. ISO 14001 integriert das Umweltmanagement noch stärker und praxisorientierter in die Geschäftsprozesse einer Organisation. Dabei steht die Erfüllung von drei Hauptaufgaben im Vordergrund: die Verbesserung der Umweltleistung, die Einhaltung der „bindenden Verpflichtungen“ (compliance obligations) und das Erreichen der selbst gesteckten Umweltziele.