Ein Fall für Zwei - Erfolgreiche Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
Das Schlüsselwort für Innovation heißt Wissenschaftstransfer: Die ‚partnerschaft umwelt unternehmen' hat es sich zur Aufgabe gemacht, die umweltorientierte Wirtschaft in Bremen besser mit der Wissenschaftslandschaft zu vernetzen. Dabei Hat sie ganz konkrete Fragen im Blick: Wie kann das Friteusenfett vom Imbiss nebenan so aufbereitet werden, dass damit ein Dieselmotor rund läuft? Schützen Kakaoschalenextrakte den Salat im heimischen Garten vor gefräßigen Schnecken? Und kann man einen Offshore-Windpark ans Netz bringen, ohne vorher den halben Ozean zu verkabeln? Antworten darauf bekamen die zahlreichen Teilnehmer des 11. Partnertreffens der ‚puu' am 26. Februar 2007 aus erster Hand. Sie lernten drei Projekte aus dem Förderprogramm "Angewandte Umweltforschung" (AUF) aus dem Ökologiefonds des Landes Bremen kennen, bei denen sich Wissenschaft und Wirtschaft mit eben diesen Fragen beschäftigen. Das Treffen im Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie (UFT) an der Universität Bremen wurde erstmals vom RKW Bremen e.V. und dem Senator für Bau, Umwelt und Verkehr gemeinsam ausgerichtet. "Genau wie die ‚puu' verfolgen auch wir mit dem Förderprogramm AUF das Ziel, Bremer und Bremerhavener Unternehmen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzubringen. Da lag es nahe, mit einer gemeinschaftlichen Veranstaltung gezielt Möglichkeiten der Kooperation aufzuzeigen", erklärte Dr. Rita Kellner-Stoll, Abteilungsleiterin Umweltwirtschaft, Klima- und Ressourcenschutz der Behörde.
Doppelte Leistungskraft für gebündelten Energiefluss
Wie erfolgreich die Zusammenarbeit in Bremen bereits funktioniert, zeigen die bei dem Treffen präsentierten Projekte. So zum Beispiel das Forschungsvorhaben des Centrums für Mechatronik der Uni Bremen, der EnergieKontor AG und der Bard Engineering GmbH. Die drei Partner arbeiten an einer Technik zur Stromübertragung, die die Anzahl der im Meer zu verlegenden Kabel bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks deutlich verringert. Erste positive Ergebnisse liegen bereits vor. ""Die Parallelschaltung von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssystemen (HGÜ), die hier erforscht wird, ist ein großer Schritt für die Zukunft der Offshore-Windkraft. Mit dem Konzept ist ein schrittweiser Ausbau der Offshore- Windkraft möglich. Die Verbindung zweier HGÜ erhöht die Verfügbarkeit des Netzanschlusses. Mit der Verbindung mehrerer Systeme ggf. über Grenzen hinweg kann ein Gleichspannungsnetz geschaffen werden, dass das Windstromangebot vergleichmäßigt und darüber hinaus nicht nur für die Offshore- Windkraft sondern der allgemeinen Versorgung zur Verfügung steht."", erklärte Dipl.-Ing. Heiko Roß von Bard Engineering. Für sein Unternehmen, aber auch für die EnergieKontor AG ist das Projekt von großer Bedeutung. "Als Planer zweier Offshore-Windparks sind wir natürlich interessiert an Entwicklungen, die die Stromübertragung durch das Meer optimieren. Uns fehlt die Zeit, diese Forschung selbst zu betreiben, daher sind wir die Kooperation mit den Wissenschaftlern gern eingegangen", so Dipl.-Ing. Kerstin Wessel von der EnergieKontor AG.
Aus Frittenfett wird Treibstoff
Wie viele andere Partnerschaften entwickelte sich die des Instituts für Umweltverfahrenstechnik (IUV) und der MWB Motorenwerke Bremerhaven AG über das Internet. Das an der Uni Bremen angesiedelte Institut suchte im Netz ein Unternehmen, das sich für die Aufbereitung von Altpflanzenöl zu Kraftstoff für die Erzeugung von Elektrizität und Wärme interessiert. "Im Bereich der Blockheizkraftwerke sind wir bei steigenden Rohstoffpreisen immer auf der Suche nach Alternativen. Aus diesem Grund haben wir uns schnell dem Projekt zur regenerativen Energieerzeugung angeschlossen", so Henning von Wedel, der das bereits abgeschlossene Forschungsvorhaben bei der MWB betreute. Was anfänglich unmöglich schien, ist tatsächlich gelungen - grobverschmutzte Frittenfette & Co. über drei Verfahren so zu reinigen, dass die Einspritzsysteme von Motoren nicht verstopfen. Davon konnten sich die Gäste des Partnertreffens selbst überzeugen. Dr.-Ing. Sandra Peters-Erjawetz vom IUV demonstrierte mit Proben von Pflanzenöl in verschiedenen Reinigungsstufen den Erfolg der Aufbereitung. "Mit dem qualitativ hochwertigen Endprodukt haben wir erste BHKW-Motoren sicher, wirtschaftlich und umweltschonend betreiben können", betonte von Wedel. Nun will das IUV eine Pilotanlage entwickeln, die eine Aufbereitung von Altpflanzenöl auf Dauer und in großem Rahmen möglich macht. Zeitgleich wird ein Sammelsystem entwickelt, das der Gastronomie für ihre Abfallprodukte zur Verfügung gestellt werden kann.
Vom Rohstoff zum Reststoff
Nach einem "Stoffwechsel" - vom Altöl zur Schokolade - erfuhren die Teilnehmer der Veranstaltung, wozu biologische Abfälle aus der Kakao- und Schokoladenproduktion noch gut sein können. In Zusammenarbeit mit der Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co. KG hat das Institut für Umwelt- und Biotechnik der Hochschule Bremen die Rückstände untersucht und dabei Substanzen entdeckt, die einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten können. Zahlreiche Versuche mit dem Abfall (Kakaoschalen) ergaben, dass er als ökologischer Farbstoff, Antioxidans oder Aromastoff einsetzbar sein könnte. Auch als Klebstoff seien die Substanzen denkbar, wenn auch nicht gerade auf Briefmarken, wie einige Zuhörer schon frohlockten. Als Schädlingsbekämpfungsmittel eignen sich die Sekundärrohstoffe nur eingeschränkt. Ein Experiment, so Mareile Timm von der Hochschule, habe gezeigt: "Schnecken fressen auch den mit Kakaoschalen behandelten Salat - wenn sie nichts anderes bekommen."
Der Veranstaltungsort des ‚puu'-Partnertreffens als Gemeinschaftsaktion mit der "Angewandten Umweltforschung" war mit Bedacht gewählt: Die Universität Bremen und damit auch das Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie (UFT) ist als eine der ersten Lehreinrichtungen Deutschlands nach EMAS zertifiziert worden und damit in Sachen Umweltschutz äußerst innovativ. Darüber hinaus pflegt der Wissenschaftsbetrieb enge Kontakte und Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen in Bremen, aber auch international. Prof. Dr. Wolfgang Heyser, Leiter des UFT: "In unserer Einrichtung wird die Komplexität der Umwelt in ihrer ganzen Bandbreite interdisziplinär erforscht - oft in Auftrag oder auf Initiative der Wirtschaft: Ein Unternehmen hat ein konkretes Problem, wir suchen die Lösung". So entstand z.B. auch das in vielen Anwendungsbereichen einsetzbare Projekt "Elektronische Nase", das wie vier weitere Projekte des UFT vor Ort von den Teilnehmer unter die Lupe genommen werden konnten.
Der "richtige Riecher" für Mensch und Umwelt
Ein Lebensmittelhersteller war an das Zentrum mit der Bitte herangetreten, es möge ein Schnellverfahren zur Erkennung gasbildender Hefen im Yoghurt entwickeln. Das Expertenteam um Prof. Dr. Jürgen Warrelmann im Forschungsverbund UFORTEC setzte daraufhin ein ausgefeiltes Gerät ein, das mithilfe von 10 Sensoren einen "Fingerabdruck" des Geruchs kreieren kann. "Wenn die Elektronische Nase dann zum Beispiel auf einen bestimmten Geruch wie den von Hefen trainiert ist, kann sie ihn in etwa einer Minute während der Produktion unter vielen anderen entdecken", so Warrelmann. Das Gerät wird bereits erfolgreich bei der Kontrolle von Lebensmitteln eingesetzt. Neben vielen anderen Anwendungsmöglichkeiten laufen erste Versuche, über die Geruchsanalyse von Atemluft Infektionen oder Krankheiten wie Diabetes auf die Spur zu kommen.


